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In dieser Rubrik finden Sie eine Sammlung von historischen Bildern sowie interessanten historischen Begebenheiten und Fakten rund um Jenaprießnitz und Wogau, zusammengetragen und aufgeschrieben von Herrn Fridtjof Dossin. Die einzelnen Beiträge erschienen in den Ortsblättern und sind hier nochmal zusammengefasst. Die Rubrik "historisches" wird in loser Folge fortgeschrieben.
Historische Postkarten
Gasthof Jenaprißnitz, Postkarte um 1875
Jenaprißnitz, Postkarte um 1875
Gasthof "Deutsche Eiche" in Wogau, Postkarte um 1900
Gasthof Jenaprißnitz, Postkarte um 1915
Jenaprißnitz, Postkarte um 1915
Wissenswertes über die Orgel der Kirche zu Jenaprießnitz
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Nachdem die Orgelklänge in der Kirche zu Jenaprießnitz am heiligen Abend verklungen waren, hatte ich die Idee etwas über unsere Orgel zu schreiben. Nachdem 1637 die Kirche nebst Kirchhof, Schule und das Dorf oberhalb abgebrannt waren, wurde die Kirche mühselig bis 1644 wieder aufgebaut. Vor-erst wurde 1647 ein Flavours Klavier für die neue Kirche gekauft. Wahrscheinlich war dieses Orgelkla-vier auch der Vorgänger der heutigen Orgel. 1855 wurde dann durch den Orgelbaumeister Adolph Poppe aus Roda (heute Stadtroda) eine neue Orgel gebaut. Die Familie Poppe aus Roda hat in vielen Generationen Orgeln gebaut, nachweislich der Älteste ist Johann Christian Poppe, geboren 1726, gest. 1782. Unsere Orgel wurde von Adolph Poppe gebaut und der lebte von 1807 - 1885 im heutigen Stadtroda. |
Der Kostenvoranschlag und die technische Beschreibung der zu bauenden Orgel wurde am 21.12.1854 erstellt und die Orgel soll bis Michaeli (29. Sept.) 1855 fertig gestellt sein, Außerdem mussten zur Aufstellung der Orgel in der Kirche auch andere Baumaßnahmen erledigt werden. Die Orgel hat ein Manual und ein Pedal. Die technische Beschreibung lässt erkennen, dass Zinnpfeifen und Holzpfeifen aus Birnen- u. Fichtenholz verwendet worden. Die Registerköpfe sind mit Porzellan belegt worden, welche die Namen der Stimmen enthalten. Des weiteren sind 2 Windbälge vorhanden, die abwechselnd oberhalb der Orgel (Boden der Kirche) getreten wurden (heute mit Motor).
Die Außenansicht der Orgel wurde in bizantinischen Baustil mit Bildhauerarbeiten dem inneren der Kirche angepasst. Die Orgel kostete laut Voranschlag 350 Thaler. Der Preis erhöhte sich durch einige Zusätze auf 355 Thaler.
Nun eine Abschrift einer Versammlung der Kirchengemeinde zu Jenaprießnitz zur Annahme des An-gebotes von Herrn Orgelbaumeister Poppe aus Roda:
Jenaprießnitz, den 21. Januar 1855
Heute Nachmittag, 2:00 Uhr, hatten sich die Mitglieder der Kirchengemeinde sowie der Orgelbaumeis-ter Poppe aus Roda in der Gemeindestube eingefunden um über den Bau einer neuen Orgel zu ver-handeln. Es wurde hierauf unter Vorbehalt der Genehmigung der Großherzoglichen Kircheninspektion folgendes festgesetzt:
Außer der in der Disposition A (Voranschlag) aufgestellten Bedingungen wurde noch bestimmt:
- Der Orgelbaumeister Poppe entwirft zu den schon benannten Stimmen noch Quinter 3 Fuß in die Orgel zu hängen zu dem Preis von 5 Thalern.
- Der Orgelbaumeister Poppe übernimmt das Anstreichen der Außenwand der Orgel.
- Die Zahlung des Preises für die Orgel von nun 355 Thalern erfolgt nachdem dieselbe vollen-det und von einem Prüfverständigen für gut befunden worden ist
Im Gegenteil ist die Gemeinde nicht verbunden die Orgel anzunehmen.
K. Elle
Jacob Meinhardt
Gottlob Trillhose
Adolph Poppe
Interessant ist noch aus dem Angebot folgendes:
- Ein Teil der Summe - also 100 Thaler - wurde bei Beginn des Aufstellens der Orgel gezahlt und der Rest von 255 Thalern nach vollendetem Bau und der "gehörigen Approbation" - der Abnahme.
- Die Gemeinde Jenaprießnitz die neue Orgel sowie das Werkzeug mittels Pferdewagen aus Roda abzuholen hatte und die alte Orgel und das Werkzeug wieder nach Roda zu bringen war.
- 2 Gehilfen des Orgelbaumeisters bekamen ca. 7 Wochen freie Beköstigung und Logie.
- Die Garantie beträgt 12 Jahre.
- Prüfverständiger war G. Töpfer aus Weimar.
Nun spielt unsere Orgel fast wieder 150 Jahre - eine kleine Reparatur bekam Sie 1905 - nun bekommt sie sehr schlecht Luft. Eine Überholung muss in den nächsten Jahren erfolgen, aber es fehlt noch an Geld. Vielleicht habe ich einige Nachbarn begeistert.
F. Dossin - nach Beilage Jenaer Volksblatt 1909
Erinnerung an die Gembdental-Sintflut 1859
Am 1. Juni 1859 ging auf der Wöllmisse zwischen Großlöbichau und Schöngleina ein mächtiger Wolkenbruch nieder. Völlig überraschend für die Einwohner von Wogau, wo Regen kaum zu spüren war, schwoll der Gembdenbach zu gewaltiger Höhe an. Die Wassermassen traten über die Ufer und überfluteten das Gembdental einschl. der Landstraße (heutige B 7).
An einem der ersten Häuser Wogaus der alten "Einnahme" (heute Gehöft Raitzsch) war noch vor Zeiten eine Marke angebracht, durch welche man sich von der enormen Fluthöhe überzeugen konnte. Die Höhe der Marke war zwischen 1,20 m und 1,50 m über OK Straße. Der Gembdenbach ist in normaler Zeit ein kleiner Bach der schnell fließt.
Folgendes zum Vergleich:
Die Saale hat in der Jenaer Gegend ein Gefälle von 1:1000. Der Gembdenbach von Wogau bis zu seiner Mündung nahe der Brücke nach Kunitz 1:50, also 20 x mehr. Wer die rasende Geschwindigkeit der Saale bei dem Hochwasser 1994 beobachten konnte, muss sich vom wilden Dahinstürmen der Flut des Gembdenbaches 1859 eine entsprechende Vorstellung machen können.
Man begreift aber auch, dass in der Breite der Flut gewaltige Veränderungen am natürlichen Gelände und an den Bauten geschehen sind. Es wird berichtet, dass die Wogauer "Einnahme" im Jahre 1859 im Neubau begriffen war. Vor ihr stand am 1. Juni ein Wagen mit behauenen Kalkbruchsteinen. Der Wagen kam ins Wanken, die Steine zum Teil 5 Zentner schwer, kamen in die Flut. Die Flut wälzte sich talabwärts zur Saale und nahm die Steine bis in das zu dieser Zeit wenig Wasser führende Saalebett mit.
Natürlich war damals das gesamte Gembdental wenig bebaut und es gab kaum Hindernisse. Trotzdem ist das Vorgeschehene kaum vorstellbar, ist aber von glaubwürdiger Seite berichtet.
F. Dossin - nach Beilage Jenaer Volksblatt 1909
Wahlen in Jenaprießnitz vor 154 Jahren
Geschehen in der Gemeindeversammlung zu Jenaprießnitz, den 8. Nov. 1850.
Durch öffentlichen Anschlag und mündliche Bestellung hatte der Bürgermeister Meinhardt sämtliche Stimmberechtigten hiesigen Ortes zu einer in der Gemeindestube abzuhaltenden Gemeindeversammlung auf heute Nachmittags 4 Uhr einladen lassen, um die zur Ergänzung des Gemeinderates erforderlichen Wahlen von 2 Mitgliedern an die Stelle der am 31.12. ausscheidenden vorzunehmen.
Es waren hierauf zur bestimmten Stunde von den 47 Stimmberechtigten, der Gemeindevorstand, überhaupt 42 Stimmberechtigte erschienen. Da sonach die Versammlung nun mehr als 2/3 der Stimmberechtigten schlussfähig war, eröffnete der Gemeindevorstand die Versammlung mit näherer Bezeichnung des Zweckes und schritt sodann zur Bildung eines Wahlvorstandes, zu welchen Herr Pastor Burkhardt und Herr Förster Springer gewählt wurden. Der Bürgermeister Meinhardt hob nun zum Behuf der zu wählenden 2 Gemeinderatsmitglieder die gesetzliche Bestimmungen aus den Artikeln 72-90 der Gemeindeordnung hervor, überreichte auch jeden erschienenen, und die in der Wahlliste vorgemerkten Stimmberechtigten einen mit dem Gemeindestempel versehenen Zettel die zwei Namen der zu Mitgliedern des Gemeinderates zu erwählenden Personen deutlich zu schreiben.
Die 42 verteilten Zettel wurden nun von den Wählern zurückgegeben und verschlossen in ein Gefäß gelegt. Hierauf wurde den noch Anwesenden bekannt gemacht, das die Stimmenverlesung und Zählung vorgenommen werden solle.
Der Bürgermeister Meinhardt nahm die Zettel einzeln aus dem Gefäße, und las die abgegebenen Stimmen laut vor, wobei die Mitglieder des Wahlvorstandes die vorgelesenen Stimmen auf den von ihnen geführten und unterschriebenen Zetteln verzeichneten.
Das Ergebnis der Abstimmung war folgendes:
Es hatten erhalten
| Wilhelm Schmidt |
24 Stimmen |
| Gottlob Trillhose |
22 Stimmen |
| Heinrich Schmidt |
14 Stimmen |
| Gottfried Allendorf |
9 Stimmen |
| Wilhelm Krause |
4 Stimmen |
| Erdmann Gretscher |
3 Stimmen |
| Förster Springer |
2 Stimmen |
| Traugott Schmidt |
2 Stimmen |
| Pastor Burkhardt |
1 Stimme |
| Gottfried Sieber |
1 Stimme |
| Gottlob Franke |
1 Stimme |
| Gottfried Pfeifer |
1 Stimme |
Zusammen 84 Stimmen. Die zwei zuerst genannten hatten also die meisten Stimmen und wurden also Wilhelm Schmidt und Gottlob Trillhose für gewählt erklärt, welche die Wahl auch annahmen.
Vorgelesen, genehmigt
Bürgermeister Meinhardt
Kantor Elle
L. Burkhardt, Pfarrer, Schriftführer
K. Springer, Förster
Gemeindestube damals Gasthof Wagner, 1. OG.
Zur Geschichte des Kloster und später Rittergutes Wogau
Wogau als Ansammlung verschiedener Gehöfte und einer Grundbesitzverteilung gibt es in heutiger Form erst seit 1810. Vor dieser Zeit bestand ein Klostergut später Edelhof/Rittergut das den größten Teil der Flur Wogau sein eigen nannte. Die Mühle Wogau mit ihrem Grundbesitz gehörte nicht zum Gut. Von diesen Anfängen bis Anfang des 30-jährigen Krieges (1618-48) gibt es noch geschichtlichen Aufarbeitungsbedarf. In der Zeit des 30-jährigen Krieges war der Geheime Rat und Oberaufseher zu Jena Bernhard Pflügk zum Posterstein Besitzer des Gutes. Im Jahre 1695 kauften es die damals noch minderjährigen Barone von Meuselbach, doch ging es bereits 2 Jahre später 1697 in den Besitz des Leutnants Friedrich Wilhelm von Rudolph, 1703 auf dessen Söhne Christian Friedrich und Georg Wilhelm über.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts erwarben die Gebrüder von Schauroth das Rittergut, die es 1810 an die herzogliche Kammer zu Weimar gegen eine jährliche Leibrente von 400 Talern abtraten. Gleichzeitig traten sie auch die Wenigenjenaer Schenkgerechtigkeit die 1683 vom Herzog Ernst Johann dem Geheimrat Pflügk zum Posterstein wegen seiner um das Land erworbenen Verdienste verliehen worden war, und zwar, wie es im Schenkungsbrief vom 5. November 1683 heißt: " für ihn seine Erben, Nachkommen und Inhaber des Gutes zu Wogau erb und eigentümlich.
Die herzogliche Kammer verkaufte das Rittergut im Jahre 1810 an die Gemeinde Wogau für 8000 Taler. Das Gut wurde parzelliert und von den einzelnen ansässigen Familien erstanden. Heute sind diese Höfe in den Umrissen zum größten Teil erhalten aber durch Zukauf von Hofstätten und Grundbesitz gegenüber der damaligen Parzellierung sehr abweichend.
Nach Quellen "Altes und Neues aus der Heimat"
zusammengestellt u. ergänzt von F. Dossin
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